Am 30.11. findet im Linzer Brucknerhaus die Uraufführung meines neuesten Werkes "IRON RING" statt.

Im Gedenken an die Zwangsarbeiter des 2. Weltkrieges

Im Auftrag des Voestalpine - Orchesters Linz

Dafür hatte ich bei meinen Recherchen großartige Hilfestellung im ansässigen Zeitgeschichte-Museum bekommen http://www.voestalpine.com/zeitgeschichte

THE IRON RING (A musical memorial)

"Zwangsarbeit bedeutet, unter entwürdigenden Bedingungen gegen seinen Willen und fern der Heimat zur Arbeit gezwungen zu werden.“

Voestalpine ist ein in seinen Geschäftsbereichen weltweit führender Technologie- und Industriegüterkonzern mit kombinierter Werkstoff- und Verarbeitungskompetenz. Mit seinen qualitativ höchstwertigen Produkt- und Systemlösungen aus Stahl und anderen Metallen zählt er zu den führenden Partnern der europäischen Automobil- und Hausgeräteindustrie sowie weltweit der Öl- und Gasindustrie.

Neben dem weltweiten Erfolg des Unternehmens ist die Aufarbeitung der dunklen Kapiteln der betriebseigenen Geschichte für mich besonders bemerkenswert.

Diese Geschichtsaufarbeitung wurde in Form einer Zeitgeschichteausstellung in einem eigens dafür errichteten Museums (http://www.voestalpine.com/zeitgeschichte) am Werksgelände eindrucksvoll verankert.

Mit dieser „Zeitgeschichteausstellung 1938 – 1945“ will die voestalpine an die NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter der Reichswerke Hermann Göring in Linz erinnern. Ab 1938 wurde hier ein Eisen- und Stahlwerk errichtet – seit Kriegsbeginn 1939 auch ein wesentlicher Bestandteil der nationalsozialistischen Rüstungsindustrie – das ab 1941 sukzessive in Betrieb ging. Beim Aufbau und Betrieb der Reichswerke Hermann Göring in Linz wurden zigtausende Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter (Männer und Frauen, Jugendliche und Kinder), Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus mehr als dreißig Nationen eingesetzt.

Diesen Menschen ist die Ausstellung gewidmet.

Sie und ihre oft sehr prekären Lebens- und Arbeitsbedingungen stehen dabei im Mittelpunkt, haben die Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter doch damals unter unmenschlichen Bedingungen das Fundament geschaffen für den heute weltweit agierenden Konzern.

„Einen Schritt voraus“ zu sein ist Leitspruch und Philosophie der voestalpine. Mit dieser Ausstellung blickt der Konzern aber auch zurück in die eigene Geschichte. Und ergründet achtsam und umfassend das dunkle Kapitel der Anfangsjahre. Die voestalpine tut das in der Verantwortung der eigenen Geschichte und in dem vollen Bewusstsein, dass nur, wer sich der Vergangenheit stellt, auch in die Zukunft blicken kann.

Unter dem Eindruck dieser Ausstellung entstand schließlich auch die vorliegende Komposition.

In meiner Recherche zum vorliegenden Stück war ich sehr ergriffen vom Schicksal der Menschen, welche im Nazi-Regime in den Herman Göring-Werken unter den damaligen Bedingungen arbeiten und leiden mussten.

Gleichzeitig war ich aber auch sehr beeindruckt von der sehr ernsthaften Aufarbeitung des Unternehmens, welches mit viel Respekt, Aufwand und Mühe den Versuch den Wiedergutmachung auf sich genommen hat und bis heute betreibt.

Der Titel The Iron Ring (A musical memorial) steht in Bezug zum Logo der Hermann Göring Werke. Dieses Logo ist ein Relikt aus der NS-Zeit und Symbol für die Reichswerke Hermann Göring. Es befand sich bis 2007 als gemauertes Relief an der Wand eines Backsteingebäudes am Linzer Werksgelände.

Ein Ring gehalten durch eine gepanzerte Faust symbolisiert das Erz als Fundament. Dieser eiserne Ring symbolisierte den damals allumfassenden Konzern und ist musikalische Grundlage von The Iron Ring:

Das "Ring-Motiv" eröffnet das Werk nicht nur, sondern wird darin auch weitgehend verarbeitet. Es symbolisiert die Härte des Regimes welche sich wie ein teuflisches Logo in das Leben der Menschen gebrannt hat. Die Komposition hat zwar keine feste, dramaturgische Handlung, beschreibt aber die einzelnen Bilder aus dem Werkslager, welche von Gegensätzen wie Leid, harte Arbeit, Tortur und Gewalt, bittere Fröhlichkeit, Vergebung und Erlösung geprägt sind.

Diese Gegensätze stehen kompromisslos einander gegenüber, verschmelzen und lösen sich schließlich in Vergebung auf. Es kann durch diese musikalische Bilder allerdings durchaus eine assoziative Handlung im Kopf des Hörers entstehen.

Die Soloklarinetten der Einleitung beschreiben die Einsamkeit der verschleppten Zwangsarbeitern mit ihrer Erinnerung an ihre Heimat.

Ein von mir zitiertes jüdisches Lied wird von einem Solo-Cello angestimmt, welches uns durch die Sinfonie führt: Das jüdische Lied "Dos elente Kind“ war der Tochter der Lehrerin Rachel Pupko-Krinski gewidmet. Wie andere Kinder wurde das Mädchen bei einer nichtjüdischen Familie versteckt, die es in einem Dorf in der Nähe von Wilna großzog. Der Vater des Mädchens war 1941 von den Deutschen getötet worden. Die Mutter, Rachel Pupko-Krinski, überlebte und wanderte mit ihrer Tochter in die Vereinigten Staaten aus. Das Lied beschreibt Sorele, die nach ihrer Mutter sucht.

Im "Lager-Thema" ist die Melancholie der Zwangsarbeiter zu spüren, welche über dem Werksgeländer liegt.

Das "Schicksal-Thema" beschreibt die Unterdrückung und die Brutalität der Werks-Aufseher, welches sich letztendlich als "Vergebungs-Thema" am Ende des Werkes nach Dur auflöst.

1. Ring-Motiv (Einleitung)
2. Jüdisches Lied - "Vilna dos elente kind" (Takt 35)
3. Lager-Thema (Takt 115)
4. Schicksals-Thema (Takt 72) / Vergebungs-Thema (Takt 402)

Über Thomas Doss

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